10 Filme für das 40. Fantasy Filmfest

Vorfreude ist groß: Meine Top 10 fürs 40. Fantasy Filmfest

Ich habe keinen einzigen dieser zehn Filme gesehen — und trotzdem eine ziemlich klare Meinung dazu. Ein subjektiver Blick aufs Line-up, bevor am 2. September das 40. Fantasy Filmfest startet.

Am 2. September geht's los, und das ist für mich Grund genug, mich vorher mehrmals komplett allein durchs Programm zu wühlen und daraus eine Top 10 zusammenzustellen. Nicht nach dem, was vermutlich am besten ist. Sondern nach dem, worauf ich am meisten Bock habe.

Das ist ein wichtiger Unterschied, denn ich muss ehrlich sein: Ich habe keinen dieser Filme gesehen. Keine Screener, keine Pressevorführung, nichts. Alles, was hier steht, basiert auf dem, was die Fantasy-Filmfest-Website hergibt, und auf dem, was sich in den Trailern zeigt. Diese Liste ist also keine Wertung im eigentlichen Sinn, sondern eine Vorfreude-Rangliste — inklusive der Stellen, an denen mich ein Trailer schon jetzt skeptisch macht.

10. At the Place of Ghosts

Ganz unten starte ich mit einem Film, bei dem mich der Trailer noch zwiegespalten zurücklässt. At the Place of Ghosts von Bretten Hannam erzählt von einem Mann, der nachts Besuch von einer verkohlten Gestalt bekommt — er berührt sie, sie zerfällt zu Asche. Von da aus geht es in die Sagenwelt der Mi'kmaq, der amerikanischen Ureinwohner: zwei entfremdete Brüder, ein Wald aus ihrer Kindheit, ein Trauma, das endlich begraben werden muss. Schauspielerisch wirkt das im Trailer noch etwas unbeholfen, und erzählerisch will der Film vielleicht ein bisschen viel auf einmal — Geistergeschichte, mythologische Fantasy und Charakterdrama gleichzeitig. Aber die Bilder von Kameramann Guy Godfree sehen fantastisch aus, und bei 89 Minuten Laufzeit kann man ohnehin nicht allzu viel falsch machen.

9. Leviticus

Bei Leviticus auf Platz neun gebe ich direkt eine Warnung mit: Schaut euch den Trailer nicht komplett an. Mir ging es nämlich so, dass ich danach das Gefühl hatte, den halben Film schon zu kennen. Die Prämisse selbst ist stark — eine australische Kleinstadt in flirrender Hitze, zwei Teenager namens Ryan und Naim, ein Monster, das die Gestalt des jeweils anderen annehmen kann. Man weiß nie, ob vor einem gerade der Freund steht oder der Dämon. Ob der Film mich nach dem Trailer-Spoiler trotzdem noch überraschen kann, weiß ich nicht zu hundert Prozent. Aber die Namen im Hintergrund machen mich zuversichtlich: Produzentin Samantha Jennings hat bereits Talk to Me und Bring Her Back von den Philippou-Brüdern verantwortet, und mit Kristina Ceyton sitzt hier das Produktionsstudio hinter The Babadook mit im Boot. Das reicht mir völlig.

8. Hope

Auf Platz acht folgt der Name, bei dem viele im Programm hellhörig werden dürften: Hope von Na Hong-jin. The Chaser, The Yellow Sea, The Wailing — danach lange Funkstille, und jetzt die Rückkehr. Ich selbst habe noch nichts von ihm gesehen, überlege aber, mir zur Vorbereitung The Chaser anzuschauen, der übrigens ebenfalls beim Fantasy Filmfest läuft. Unabhängig davon: Sci-Fi-Alien-Horror aus Südkorea, mit einer angeblich sechzig Minuten langen Sequenz ohne Pause — bei so einer Ansage werde ich sofort hellhörig.

7. Species

In der Mitte der Liste geht es um drei Filme, die für mich zeigen, wie lebendig einzelne Genres gerade sind. Species auf Platz sieben würde ich nicht einfach nur als Body-Horror einordnen, sondern gezielt als Female Body-Horror — das trifft besser, worum es hier geht. Eine junge Arztpraktikantin beobachtet in ihrer Klinik seltsame Mutationen, erst an Patientinnen und Patienten, dann an sich selbst. Regisseurin Marion Le Corroller gibt hier ihr Debüt und wird bereits in einem Atemzug mit Julia Ducournau, Coralie Fargeat und Hanna Bergholm genannt — also mit den aktuell prägendsten Stimmen des Genres. Von diesem Genre kann es für mich gerade eigentlich nicht genug geben.

6. Anymart

Anymart auf Platz sechs hat mich schon mit der Kurzbeschreibung der Fantasy-Filmfest-Seite überzeugt: Clerks, aber aus Japan, und mit Splatter. Das Spielfilmdebüt von Yusuke Iwasaki, der im echten Leben selbst Sohn eines Ladenbetreibers ist, erzählt von einem Supermarkt, einem gelangweilten Verkäufer, nerviger Kundschaft — und Kolleginnen und Kollegen, die auf zunehmend blutige Art verschwinden. Ausgezeichnet wurde der Film bereits bei der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis, vergeben von einer unabhängigen internationalen Kritikerjury parallel zu den offiziellen Festivalpreisen. Für ein Debüt ist das eine ziemliche Ansage. Konsum kann tödlich sein, heißt es sinngemäß in der Beschreibung — und ich freue mich auf einen Film, der das wörtlich nimmt.

5. The Fox

Bei The Fox auf Platz fünf ist es vor allem der Cast, der mich kriegt. Ein sprechender Fuchs, der genau weiß, wie man ein Leben ruiniert oder rettet, je nach Blickwinkel — beschrieben als Fantastic Mr. Fox auf Crack, gekreuzt mit dem lakonischen Humor von The Lobster. Gesprochen wird der Fuchs von Olivia Colman, die Elster von Sam Neill. Für mich fast noch wichtiger: Das dürfte einer der letzten Filme mit Sam Neill werden, danach stehen nur noch der neue Godzilla x Kong-Film und The Legend of Zelda an. Grund genug, ihm hier noch einmal zuzuhören.

4. Mutter: The Diary Of A Mother

Die drei Filme im oberen Mittelfeld haben für mich eins gemeinsam: Sie wollen nicht nur schockieren, sondern etwas Konkretes verhandeln. Mutter – The Diary of a Mother auf Platz vier ist ein türkischer Horrorfilm und der Titel, bei dem ich mich am meisten auf etwas Unbequemes einstelle. Gül bringt während einer Autofahrt ein Wesen zur Welt, das sich jeder natürlichen Ordnung entzieht, ihr Mann flieht, zurück bleibt eine Mutter, abgeschnitten von der Welt, gebunden an ein Kind, dessen Schreie durch die Wälder dringen. Die Vergleiche, die im Zusammenhang mit dem Film fallen, sind Eraserhead und Dancer in the Dark — zwei völlig unterschiedliche Referenzpunkte für Unbehagen. Mutterschaft als fiebriger Ausnahmezustand: dieser Gedanke lässt mich seit dem Lesen der Inhaltsangabe nicht mehr los.

3. Beasts of the Southern Wild

Beasts of the Southern Wild auf Platz drei ist der einzige Film der Liste, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat — und gerade deshalb einer, auf den ich mich besonders freue, ihn endlich auf großer Leinwand zu sehen. Die kleine Hushpuppy lebt mit ihrem schwer kranken Vater im Bathtub, einem ungebändigten Sumpfgebiet in Louisiana, während aus schmelzenden Polarkappen uralte Monster erwachen und eine Flut näher rückt. Der Trailer erinnert mich an ernstere Fantasy-Erzählungen wie Big Fish, Brücke nach Terabithia oder Life of Pi — nur mit einer deutlich roheren, ehrlicheren Kamera, als sie diese großen Studioproduktionen je zugelassen hätten. Manche Filme muss man einfach im Kino nachholen, und das hier ist definitiv so einer.

2. Hokum

Auf Platz zwei steht mit Hokum ein Regisseur, dem ich mittlerweile blind vertraue. Damian McCarthy war mit Caveat und Oddity bereits zweimal beim Fantasy Filmfest zu Gast, beide Male mit Filmen, die das Publikum begeistert haben. Hokum erzählt von einem amerikanischen Autor, gespielt von Adam Scott, der sich in einem kleinen Hotel in Irland einquartiert — ausgerechnet in der Hochzeitssuite, in der angeblich einst eine grausame Hexe gefangen wurde. Er tut die Legende als Humbug ab, bis sich ihm eines Nachts die Tür öffnet. Folk-Horror trifft klassische Spukhaus-Geschichte, und bei einem Regisseur mit dieser Vorgeschichte beim Festival lege ich die Messlatte automatisch hoch.

1. Blades of the Guardians

Ganz oben steht mit Blades of the Guardians vermutlich der ungewöhnlichste Platz eins, den man für ein Fantasy Filmfest wählen kann. Aber diese Liste ist eine persönliche, und dieses Genre holt mich einfach komplett ab. Regisseur ist Yuen Woo-ping, der Mann, der das Martial-Arts-Kino Hongkongs geprägt hat wie kaum ein zweiter und als Stunt-Choreograf die Matrix-Trilogie und Kill Bill revolutioniert hat. Über achtzig Jahre alt, und mit Blades of the Guardians verlegt er klassisches Hongkong-Martial-Arts-Kino praktisch in den staubigen Wilden Westen: ein zerfallendes Reich, ein Rebellenführer, ein Kopfgeldjäger mit offenen Rechnungen. Mit dabei sind Wu Jing, Jet Li und Tony Leung. Genre, Bilder, Cast, Trailer — alles zusammen macht mir richtig Bock, und das reicht mir völlig für Platz eins.

Fazit

Zehn Filme, keinen davon gesehen — und trotzdem habe ich zu jedem eine Meinung. Das ist ja das Schöne an einem Festival wie dem Fantasy Filmfest: Man geht mit Erwartungen rein, und die Hälfte davon wird über den Haufen geworfen. Vielleicht wird At the Place of Ghosts trotz meiner Zweifel am Ende der Überraschungshit. Vielleicht enttäuscht mich Blades of the Guardians. Ich weiß es nicht. Was ich weiß: Ich habe richtig Bock auf das 40. Fantasy Filmfest, und sobald ich die Filme gesehen habe, melde ich mich zurück — mit Reviews und einer überarbeiteten Top 10.

Bis dahin: viel Spaß im Kino, und holt euch Tickets.

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